Handelnde Bilder oder Wie das Computerspiel zur zehnten Kunst wurde

30. October 2014 Curriculum, Gamelab, Seminars

Seminar von Thomas Hensel | dienstags 10 – 12 Uhr | Großer Seminarraum 112

Spätestens seit das New Yorker Museum of Modern Art am 29. November 2012 bekannt gab, Computerspiele in seine Sammlung aufzunehmen, dürfen diese zum Kanon der Kunstgeschichte gezählt werden—als „a new category of artworks“ (Paola Antonelli, MoMA). Tatsächlich kann das Computerspiel nicht nur als eine neue Kunstkategorie, sondern auch als eines der komplexesten Artefakte adressiert werden, von dem die Kunstgeschichte überhaupt handeln kann. Um seine zahlreichen Aspekte—seien es Narrativität und Audiovisualität, Interaktivität und Immersivität, Ergodizität oder Ludizität—und um seine Möglichkeiten, alle diese Aspekte zu integrieren, erfassen zu können, werden gegenwärtig vielfältige Zugangsweisen getestet, die literaturwissenschaftliche und informationstheoretische Positionen ebenso wie pädagogische oder ökonomische Perspektiven zusammenführen. Gleichwohl fällt mit Blick auf die Forschungsliteratur die Zurückhaltung auf, mit der einem weiteren Gesichtspunkt des Computerspiels bislang wenig Rechnung getragen wird: seiner Bildlichkeit oder Ikonizität.

Das Seminar untersucht die Ästhetik, insbesondere die Bildlichkeit des Computerspiels am Beispiel von commercial games, die je für sich in unterschiedlicher Hinsicht als wegweisend erachtet worden sind und bei genauerer Betrachtung als kunsthistorisch wie bildtheoretisch äußerst versiert gewürdigt werden können. Analysiert werden sollen unter anderem „Resident Evil 4“ (2005), „Shadow of the Colossus“ (2005), „Ōkami“ (2006), „Portal“ (2007), „Cryostasis: Sleep of Reason“ (2009), „Call of Duty: Modern Warfare 2“ (2009), „Shadows of the Damned” (2011), „Uncharted 3: Drake’s Deception“ (2011), „Spirit Camera. Das verfluchte Tagebuch“ (2012), „The Last of Us“ (2013) und „The Last of Us: Left Behind“ (2014). Eine Kenntnis der genannten Spiele ist von Vorteil, aber nicht notwendig; das Seminar richtet sich bewusst auch an Studierende, die keinerlei Erfahrungen im Umgang mit Games haben.